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Erneuerbare Energien in Deutschland

Seit Ende Oktober 2009 werden auf den Seiten der European Energy Exchange (EEX) aktuelle Daten der Stromproduktion im Rahmen einer Transparenzinitiative veröffentlicht. So kann sich jeder ein Bild darüber machen, wie und wo (bei welchem der vier Netzbetreiber) welcher Stromverbrauch und welche Stromproduktion herrschte. Zusätzlich werden Daten zur erwarteten und produzierten Menge an Wind- und Solarstrom zur Verfügung gestellt.

Exemplarisch habe ich mal einen Tag dieses Jahres herausgepickt und anhand der von der EEX veröffentlichten Daten ein paar Diagramme gezeichnet. Die Wahl fiel auf den 25. Juli., ein Sonntag, an dem wohl so etwa 20 – 40% des Himmels bewölkt war und mäßiger Westwind frische Atlantikluft gen Deutschland bließ.

Zunächst die Produktion der gemeldeten Anlagen über 100 MW sowie die Wind- und Solarproduktion.

Dadurch ergibt sich die im zweiten Diagramm dargestellte anteilige Produktion der Erneuerbaren.

Allerdings hat das ganze noch einen Haken…, gemeldet sind nämlich längst nicht alle Anlagen und der Punkt “Produktion Einheiten > 100 MW” erfasst Werte von Anlagen, die insgesamt eine installierte Gesamtkapazität von etwa 80 GW haben, in Deutschland ist aber deutlich mehr installiert (120-140 GW, man findet verschiedene Zahlen).
So fehlen bei diesen Anlagen übrigens auch die Wind- und Solaranlagen selbst, diese haben nämlich praktisch immer eine Leistung kleiner 100 MW. Aber auch viele andere kleinere Anlagen fehlen, von der Müllverbrennung bis hin zu kleinen Blockheizkraftwerken. Daher habe ich, um den Daten wenigstens etwas mehr Aussagekraft zu geben noch die Wind- und Solarproduktion aufaddiert. Das führt zur im folgenden Diagramm wiedergegebenen Verteilung.

Sehr schön sieht man hier den nun entstanden “Berg” zur Mittagszeit. Genau dieser wurde von den Erneuerbaren (speziell von der Photovoltaik) bedient, im obigen Bild war schließlich die blaue Kurve vergleichsweise flach. Natürlich ergibt sich daraus auch eine neue anteilige Produktion der Erneuerbaren.Angepasste anteilige Produktion der Erneuerbaren am 25.7.2010

An diesem eigentlich doch sehr erfolgreichen Tag der Erneuerbaren (hier nur Wind und Solar; Wasser und Co ist bei der Gesamtproduktion mit drin) wird auch das heute noch große Problem der Erneuerbaren deutlich. Am Mittag liefern die PV-Module auf Deutschlands Dächern knapp 7 GW Leistung, verglichen mit der installierten Nennleistung der AKWs von etwa 20 GW von der etwa 80-90% auch am Netz ist (also 16-18 GW), ist das also schon richtig viel. Am Abend allerdings geht nicht nur die Sonne unter, sondern an jenem Sonntag wird auch der Wind deutlich schwächer, sodass in unserer Rechnung nur noch etwa 5% des Bedarfs durch den Wind gedeckt werden. Dazu kommt, dass der Tag an einem Wochenende liegt, an dem sowieso deutlich weniger Strom nachgefragt wird als unter der Woche (~-30%), dennoch muss abends hier deutlich mit fossilen Energien nachgeholfen werden.

Das Integrationsproblem entsteht durch die großen Schwankungen in der Produktion, denn es muss ja genug “andere” Nennleistung vorgehalten werden für den Fall dass zu wenig Erneuerbare da sind, und umgekehrt sollte es Speichermöglichkeiten geben, wenn zu viel Energie aus Wind und Sonne erzeugt wird (also Erzeugung > Verbrauch). Die letzte Ungleichung kann durch eine Laufzeitverlängerung der AKWs eventuell noch etwas verschoben werden, die Betreiber der AKWs wollen natürlich nicht, dass ihre Kraftwerke unnütz herumstehen (anders als andere fossile Quellen, haben Atomkraftwerke kaum Brennstoffkosten). Es kommt also bereits zu einem Problem, wenn die Erzeugung größer als der Verbrauch abzüglich der AKW-Produktion wird. Würde die heute noch gültige Vorfahrt (Einspeisevorrang) für die Erneuerbaren fallen, so würde die Laufzeitverlängerung eindeutig den Ausbau der Erneuerbaren bremsen. Die Investitionssicherheit sinkt also eventuell schon heute, wenn die Laufzeitverlängerung beschlossen würde. Um 100% Erneuerbare zu erreichen, stößt man natürlich auch ohne eine Laufzeitverlängerung an genau das Problem Erzeugung > Verbrauch, genau das muss man aber auch, um zu diesen Zeiten den Strom für Schwachwindphasen oder die Nacht zu speichern. Die Speicherung ist jedoch heute noch sehr aufwändig, es ist also günstiger diesen Zeitpunkt noch etwas zu verzögern.
Es lohnt sich also auf jeden Fall das Angebot zu nutzen um mal ein bisschen in aktuellen Daten zu stöbern, auch wenn leider nur ein Teil der Produktion gemeldet wird, und die Daten somit nicht die tatsächliche Stromproduktion in Deutschland abbilden. Wie man sieht, sind die Daten jedoch repräsentativ genug (wenn auch nicht in absoluten Zahlen), um sich ein bisschen mit den Erneuerbaren zu beschäftigen, wie ich es auch in diesem Artikel getan habe.

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