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Photovoltaik in Herrenberg 2010

28. Dezember 2010 Karsten Keine Kommentare

Die EnBW hat vor kurzem die EEG-Anlagedaten1 für Herrenberg aktualisiert. (Datenstand 02.11.2010)
Das habe ich zum Anlass genommen ein paar Statistiken für Herrenberg anzufertigen.

Seit der Gemeindereform in Baden-Württemberg besteht Herrenberg aus der Kernstadt selbst und sieben Ortsteilen, die früher eigenständige Gemeinden waren.
Mit über 30.000 Einwohnern ist Herrenberg die viertgrößte Stadt im Landkreis Böblingen.

Installierte Leistung in Herrenberg

In Herrenberg sind am 2.11.2010 447 Anlagen zur EEG-Einspeisung registriert mit einer Gesamtleistung von gut 4 MWp.

Nahezu eine ideal-exponentielle Entwicklung

Bei einer jährlichen Erzeugung von 1000kWh pro kWp ergibt das eine jährliche solare Gesamtproduktion von 4.000.000 kWh. Die Menge der installierten Leistung hat sich allein von 2008 bis heute verdoppelt. 2010, das Jahr der ersten zusätzlichen Kürzung der Einspeisevergütung hat dennoch (besser: gerade deswegen) soviel Zubau wie kein Jahr zuvor. Deutschlandweit wird 2010 wohl deutlich mehr neu installiert worden sein als 2009 (Prognosen rechnen mit dem Doppelten), aber offizielle Zahlen sind erst nächstes Jahr zu erwarten. Dann wird sich zeigen, wie sich die Photovoltaik in Herrenberg im Bundesvergleich entwickelt hat. Die bisherigen Zahlen von 2010 für Herrenberg sind ebenfalls nicht vollständig und bilden das letzte Quartal nur unzureichend ab.

Wie leistungsfähig ist die solare Stromerzeugung in Herrenberg?

Aber betrachten wir die vorhandenen Zahlen in Herrenberg. Mit den bereits erwähnten 4.000.000 kWh lassen sich etwa 1000 Vier-Personen-Haushalte versorgen, was bereits (ausschließlich auf die Haushalte bezogen) 13% des Herrenberger Stromverbrauchs deckt.

An einem sonnigen Sommertag stehen jedem Einwohner in Herrenberg anteilig ca. 135 Watt Photovoltaikleistung zur Verfügung. Im Schnitt beträgt die Spitzenlast an einem Sommertag in Deutschland 70 GW, also etwa 875 Watt / Einwohner. Für Herrenberg deckt die Photovoltaik zur Spitzenstunde, die passend zum maximalen solaren Ertrag mittags ist, gute 15 %. An einem Wochenende im Sommer würde der Anteil des Solarstroms wohl noch einmal deutlich höher ausfallen.

Große Unterschiede zwischen den Ortsteilen

Ausblick

Würde der Zubau im bisherigen Tempo weitergehen (wie auch auf der Grafik oben zu erkennen bisher fast exponentiell), überschreitet in absehbarer Zeit an sonnigen Tagen die solare Erzeugung die Nachfrage nach Solarstrom. (Die Rechnungen sollen nur eine grobe Größenordnung aufzeigen, detaillierte regionale Zahlen zum Energieverbrauch sind mir nicht bekannt)

Daher ist es richtig jetzt den Markt etwas abzukühlen durch die relativ starken Kürzungen Mitte des Jahres (Juli und Oktober) und zum 1. Januar 2011.
Durch den Preisverfall wird die Photovoltaik überhaupt erst wettbewerbsfähig, und das jetzt auch deutlich früher, denn die Netzparität (Erzeugungskosten Solarstrom kleiner als Haushaltspreis für Strom) rückt in greifbare Nähe (evtl. schon 20122, zuvor ging man noch von 2015 aus).

Tiefer in die Daten geschaut – die Teilorte

Ich habe zusätzlich für jeden Ortsteil separat das Wachstum dargestellt und es ist erstaunlich, wie sich die einzelnen recht zackigen Wachstumskurven der Teilorte in Summe sehr schön zu einer “runden” Kurve ausgleichen.

Interessant ist zudem, dass in Gültstein und Kuppingen jeweils fast soviel PV-Leistung installiert ist wie in der Kernstadt. Die Bevölkerungsdichte in der Kernstadt ist natürlich deutlich größer, es verwundert also nicht, dass sie relativ pro Einwohner am wenigsten Leistung aufzuweisen hat, aber flächenmäßig ist sie doch deutlich größer als Gültstein oder Kuppingen, man würde also absolut schon etwas mehr erwarten. Dies verwundert umso mehr, weil in der Kernstadt allein 300 kWp, also 30% der Anlagenleistung, durch die Herrenberger Sonnendächer3 beigesteuert werden.

Überrascht hat mich die geringe Anzahl Anlagen in Affstätt, hier war 2006 (!) das Jahr maximalen Zubaus. Ein Grund könnte, zumindest zum Teil, die Flachdachbungalow-”Siedlung” sein, in der praktisch keine Photovoltaikanlage installiert ist.
Am besten machen Sie sich mit den Ausführlichen Statistiken zur Photovoltaik in Herrenberg und seinen Teilorten selbst ein Bild.

Erneuerbare Energien in Deutschland

26. Juli 2010 Karsten Keine Kommentare

Seit Ende Oktober 2009 werden auf den Seiten der European Energy Exchange (EEX) aktuelle Daten der Stromproduktion im Rahmen einer Transparenzinitiative veröffentlicht. So kann sich jeder ein Bild darüber machen, wie und wo (bei welchem der vier Netzbetreiber) welcher Stromverbrauch und welche Stromproduktion herrschte. Zusätzlich werden Daten zur erwarteten und produzierten Menge an Wind- und Solarstrom zur Verfügung gestellt.

Exemplarisch habe ich mal einen Tag dieses Jahres herausgepickt und anhand der von der EEX veröffentlichten Daten ein paar Diagramme gezeichnet. Die Wahl fiel auf den 25. Juli., ein Sonntag, an dem wohl so etwa 20 – 40% des Himmels bewölkt war und mäßiger Westwind frische Atlantikluft gen Deutschland bließ.

Zunächst die Produktion der gemeldeten Anlagen über 100 MW sowie die Wind- und Solarproduktion.

Dadurch ergibt sich die im zweiten Diagramm dargestellte anteilige Produktion der Erneuerbaren.

Allerdings hat das ganze noch einen Haken…, gemeldet sind nämlich längst nicht alle Anlagen und der Punkt “Produktion Einheiten > 100 MW” erfasst Werte von Anlagen, die insgesamt eine installierte Gesamtkapazität von etwa 80 GW haben, in Deutschland ist aber deutlich mehr installiert (120-140 GW, man findet verschiedene Zahlen).
So fehlen bei diesen Anlagen übrigens auch die Wind- und Solaranlagen selbst, diese haben nämlich praktisch immer eine Leistung kleiner 100 MW. Aber auch viele andere kleinere Anlagen fehlen, von der Müllverbrennung bis hin zu kleinen Blockheizkraftwerken. Daher habe ich, um den Daten wenigstens etwas mehr Aussagekraft zu geben noch die Wind- und Solarproduktion aufaddiert. Das führt zur im folgenden Diagramm wiedergegebenen Verteilung.

Sehr schön sieht man hier den nun entstanden “Berg” zur Mittagszeit. Genau dieser wurde von den Erneuerbaren (speziell von der Photovoltaik) bedient, im obigen Bild war schließlich die blaue Kurve vergleichsweise flach. Natürlich ergibt sich daraus auch eine neue anteilige Produktion der Erneuerbaren.Angepasste anteilige Produktion der Erneuerbaren am 25.7.2010

An diesem eigentlich doch sehr erfolgreichen Tag der Erneuerbaren (hier nur Wind und Solar; Wasser und Co ist bei der Gesamtproduktion mit drin) wird auch das heute noch große Problem der Erneuerbaren deutlich. Am Mittag liefern die PV-Module auf Deutschlands Dächern knapp 7 GW Leistung, verglichen mit der installierten Nennleistung der AKWs von etwa 20 GW von der etwa 80-90% auch am Netz ist (also 16-18 GW), ist das also schon richtig viel. Am Abend allerdings geht nicht nur die Sonne unter, sondern an jenem Sonntag wird auch der Wind deutlich schwächer, sodass in unserer Rechnung nur noch etwa 5% des Bedarfs durch den Wind gedeckt werden. Dazu kommt, dass der Tag an einem Wochenende liegt, an dem sowieso deutlich weniger Strom nachgefragt wird als unter der Woche (~-30%), dennoch muss abends hier deutlich mit fossilen Energien nachgeholfen werden.

Das Integrationsproblem entsteht durch die großen Schwankungen in der Produktion, denn es muss ja genug “andere” Nennleistung vorgehalten werden für den Fall dass zu wenig Erneuerbare da sind, und umgekehrt sollte es Speichermöglichkeiten geben, wenn zu viel Energie aus Wind und Sonne erzeugt wird (also Erzeugung > Verbrauch). Die letzte Ungleichung kann durch eine Laufzeitverlängerung der AKWs eventuell noch etwas verschoben werden, die Betreiber der AKWs wollen natürlich nicht, dass ihre Kraftwerke unnütz herumstehen (anders als andere fossile Quellen, haben Atomkraftwerke kaum Brennstoffkosten). Es kommt also bereits zu einem Problem, wenn die Erzeugung größer als der Verbrauch abzüglich der AKW-Produktion wird. Würde die heute noch gültige Vorfahrt (Einspeisevorrang) für die Erneuerbaren fallen, so würde die Laufzeitverlängerung eindeutig den Ausbau der Erneuerbaren bremsen. Die Investitionssicherheit sinkt also eventuell schon heute, wenn die Laufzeitverlängerung beschlossen würde. Um 100% Erneuerbare zu erreichen, stößt man natürlich auch ohne eine Laufzeitverlängerung an genau das Problem Erzeugung > Verbrauch, genau das muss man aber auch, um zu diesen Zeiten den Strom für Schwachwindphasen oder die Nacht zu speichern. Die Speicherung ist jedoch heute noch sehr aufwändig, es ist also günstiger diesen Zeitpunkt noch etwas zu verzögern.
Es lohnt sich also auf jeden Fall das Angebot zu nutzen um mal ein bisschen in aktuellen Daten zu stöbern, auch wenn leider nur ein Teil der Produktion gemeldet wird, und die Daten somit nicht die tatsächliche Stromproduktion in Deutschland abbilden. Wie man sieht, sind die Daten jedoch repräsentativ genug (wenn auch nicht in absoluten Zahlen), um sich ein bisschen mit den Erneuerbaren zu beschäftigen, wie ich es auch in diesem Artikel getan habe.